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22 Dez. 2025

Interview Liewo: «Das Zuhören ist der grösste Teil unserer Arbeit»

Frau Heeb, Herr Hassler, was machen Streetworker?

Hassler: Wir machen aufsuchende Sozialarbeit. Wir sind draussen und beraten Menschen, die im öffentlichen Raum unterwegs sind.
Heeb: Das Zuhören ist der grösste Teil unserer Arbeit.

Gehen Sie auf die Leute zu?

Heeb: Ja, wir gehen aktiv auf alle Menschen im öffentlichen Raum zu. Oft kristallisieren sich Themen heraus wie schwierige Wohnsituation, Einsamkeit, psychische Krankheit oder ein Suchtproblem.
Hassler: Wir stellen ihnen unser Angebot vor. Es ist das niederschwelligste im Land.

Warum?

Hassler: Bei uns muss niemand irgendwas. Die Menschen brauchen keinen Termin bei uns oder müssen nicht zu uns kommen.  
Heeb: Im Gegensatz zum Beispiel zur Polizei müssen und können wir nichts durchsetzen. Wir weisen niemanden von einem Platz weg. Und wir haben Schweigepflicht.

Wie ist es Ihnen gelungen, das Vertrauen der Leute zu gewinnen?

Heeb: Wir haben zwei Jahre daran gearbeitet Vertrauen aufzubauen – und tun es immer noch. Sie geben vor, wie viel sie uns anvertrauen und wir akzeptieren das.
Hassler: Es gibt auch Leute, die auf uns warten. Eine Person hat sogar einen Gruppenchat erstellt, in dem wir schreiben, wo wir unterwegs sind.

Aber in Liechtenstein kennen Sie doch mittlerweile sicher alle?

Hassler: Nein, ich staune immer wieder, wie viele wir zum ersten Mal treffen.
Heeb: Derzeit stehen wir mit etwa 50 Personen regelmässig im Kontakt.

Wie nennen Sie diese Personen? Und als was sehen die Betroffenen Sie?

Heeb: Wir nennen Sie Adressaten und Adressatinnen. Das ist auf Augenhöhe. Sie sehen uns als Fachpersonen, aber auch als Bezugspersonen.
Hassler: Wir nehmen eine Gastrolle ein. Wir betreten quasi „ihren“ Raum.

Was sind das für Leute?

Heeb: Es sind Personen in prekären Lebenssituationen. Und meist sind es komplexe Problemlagen.
Hassler: Wenn ein Jobverlust, eine Krankheit und vielleicht noch eine Scheidung zusammenkommen, dann kann das einem Menschen den Boden unter Füssen wegziehen. Viele Menschen verfallen dann in eine Sucht. Es sind verschiedene Abhängigkeiten, aber Alkohol ist immer dabei.
Heeb: Das kann jede und jeden treffen.

Wie ist das Geschlechterverhältnis?

Hassler: 80 Prozent Männer, 20 Frauen. Die meisten sind zwischen 30 und 60. Es sind die, die nicht mehr im Leistungssystem funktionieren, trotz dem Helfer:innennetz in Liechtenstein, leben sie teils in prekären Situtionen.
Heeb: Es gibt viele Menschen, die trotz hohem Alkoholkonsum, Medikamentenabhängigkeit oder Kokainsucht arbeiten und den Alltag meistern.

Davon gibt es viele. Aber oft brechen auch sie irgendwann ein.

Hassler: Kann sein, ja. Das Problem ist, dass Wohnen mit Sucht in Liechtenstein sehr schwer ist. Eine Person, die konsumiert, findet kaum eine Wohnung. Und wir haben keine Sozialwohnungen in Liechtenstein.

Haben wir in Liechtenstein Menschen, die obdachlos sind?

Heeb: Es gibt einen Unterschied zwischen Wohnungslosigkeit und Obdachlosigkeit. Bei ersterem hat man keinen eigenen sicheren Raum, kommt aber vielleicht bei Bekannten oder Freunden unter. Obdachlose schlafen draussen.

Wo?

Hassler: Im Riet, auf öffentlichen Toiletten, Spielplätze, in Garagen.
Heeb: Dieses Jahr hatten wir mit neun Personen Kontakt, die obdachlos waren bzw. immer noch sind. Sechs davon hatten ihren Lebensmittelpunkt in Liechtenstein, zwei waren auf der Durchreise.

Sie haben immer einen Rucksack dabei. Was ist da drin?

Heeb: Apotheke, Taschentücher, Hygieneartiekel, Utensilien für «Safe use». Etwa Aktivkohlefilter, damit ist das Rauchen jeglicher Art weniger schädlich. Saubere Spritzen, wenn jemand intravenös Drogen konsumiert.

Spritzen?

Hassler: Ja, die brauchen wir selten. Man kann jetzt auch saubere Spritzen beim Automaten vor der Apotheke am Schaaner Postplatz ziehen. Wir haben auch Tageskarten der LIEmobil,  und Powerbanks dabei, damit sie ihre Handys aufladen können. Es gibt ja kaum mehr Steckdosen im öffentlichen Raum.

Frau Heeb, Sie sind eine junge Frau. Oft treffen sie auf Männer, oft nicht ganz nüchtern. Wie reagieren sie auf Sie?

Heeb: Sie sind mir gegenüber offen und ich fühle mich zu jeder Zeit sicher. Wir sind jeweils zu zweit unterwegs, damit wir uns gut austauschen können. So geben wir den Adressaten und Adressatinnen die Möglichkeit selber zu entscheiden, ob sie lieber mit mir sprechen oder mit Magnus.  
Hassler: Das ist bewusst so gewählt, dass ich männlich und älter bin und Olivia jünger und weiblich.

Gab es schon ungute Situationen?

Heeb: Ungut nicht, aber Herausforderungen begegnen uns immer wieder. Zum Beispiel, wenn wir sehr schnell reagieren müssen oder wenn wir in eine Wohnsituation kommen, die für uns sehr prekär aussieht.

Sie gehen zu den Leuten nach Hause?

Heeb: Nur wenn sie es wollen. Wir fragen Sie, wo Sie sprechen wollen, wo Sie sich am wohlsten fühlen.

Wo trefft Sie auf Ihre  Adressaten?

Hassler: Der öffentliche Raum ist für sie wichtig, weil sie dort ihre sozialen Kontakte pflegen können. An Plätzen oder vor Läden. Der Denner ist ein Anziehungspunkt. Sie sind da, wo etwas läuft.

Gibt es einen neuen Standort?

Hassler: Der Sonnenkreisel in Triesen. Menschen halten sich öfters dort auf. Mittlerweile sind wir deshalb vermehrt in Triesen. Es enstanden Nutzungskonflikte, dazu organisierte die Gemeinde Triesen einen runden Tisch.
Heeb: Wir waren da und haben die Situation und Bedürfnisse der Adressaten und Adressatinnen aufgezeigt.

Man kann wohl beide Seiten verstehen. Aber es ist ja auch so, dass Sie sich irgendwo aufhalten müssen und auch können sollten.

Hassler: Genau, sie sind Teil unserer Gesellschaft, von dieser werden sie oft nicht wahrgenommen und an den Rand gedrängt.
Heeb: Die Bevölkerung soll hinschauen und ihnen gegenüber wertschätzend sein.

Wie ist diese Vorweihnachtszeit für die Leute?

Heeb: Schwierig, sie sind noch einsamer, auch deshalb organisieren wir am 23. Dezember ein Guetzle-Backen mit allen.
Hassler: Generell, die kalte Zeit, wenn es früh dunkel wird. Viele ziehen sich zurück.

Seid Ihr an den Feiertagen auch unterwegs?

Heeb: Ja, wir sind etwas reduziert unterwegs.
Hassler: Uns kann man 365 Tage im Jahr kontaktieren und wir melden uns innerhalb von 48 Stunden zurück. Man erreicht uns via Whatsapp, Snapchat, Instagram, Telefon, Mail – und natürlich persönlich.

Es läuft derzeit ein Bewerbungsprozess. Ihr dürft einen dritten Streetworker einstellen.

Heeb: Wir sind sehr dankbar, dass die Gemeinden und das Land diesen Ausbau  ermöglichen. Wir dürfen jemanden für 80 Prozent einstellen.
Hassler: Der Bedarf für ein niederschwelliges Angebot ist definitiv da. Wir sind mit einem Computer und einem Konzept gestartet und nach zwei Jahren sind wir schon so weit. Ich wusste vom ersten Tag an, dass dieses Angebot bestehen bleibt.

Ihr bietet relativ neu auch einen Mittagstisch in der Bar Okkult in Schaan an.

Heeb: Ja, wir haben gemerkt, dass eine warme Mahlzeit ein Bedürfnis ist. Seit Mai bieten wir immer montags einen Mittagstisch an.
Hassler: Es kochen Freiwillige. Derzeit sind es acht Köche und Köchinnen.

Wie viele kommen?

Heeb: Wir sind mit sieben Gästen gestartet, jetzt hatten wir ein paar Mal über 20 Personen. Im Schnitt sind es 15. Das Angebot wird über Spenden finanziert. Darauf sind wir auch angewiesen.
Hassler: Das Essen hat nicht für alle Priorität, es geht teilweise um die soziale Teilhabe. Am Mittagstisch gab es noch nie ein böses Wort. Sie zeigen grosse Wertschätzung gegenüber den Köchen und Köchinnen, die aus einer anderen Lebenssituationen kommen. Viele ziehen sich auch extra schön an für das Essen.

 

 

 

 

 

 

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